Die Cannonball Europe Rennen 1981 & 82

Alle teilnehmenden Fahrzeuge und (Fahrzeug)Typen sind nun Oldtimer, ein Grund mehr darüber nach 30 Jahren zu berichten, wie es wirklich war......

Es ist dies auch die Geschichte einer Beziehung, des Mercedes W126 und mir....

Wir schreiben das Jahr 1980. Erinnern Sie sich....?  Die Amerikaner scheitern bei dem Versuch Ihre Geißeln aus ihrer Botschaft in Teheran zu befreien, Alfred Hitchcock stirbt und Deutschland wird Europameister im Fußball. Die Olympischen Spiele finden in Moskau statt und F.J. Strauß verliert die Wahl zum Dt. Bundestag, Reagan wird US Präsident und John Lennon wird in NYC erschossen.

PB April 1980 

Mit einem Artikel im April 1980 hat alles begonnen

PB Februar 1981 

Der entscheidente Hinweis fand sich in der Ausgabe 2/81....

Im Playboy (April) erscheint ein Bericht über den Cannoball Express in den USA einem illegalen Straßenrennen von New York nach Los Angeles, benannt nach Ernest G. „Cannonball“ Baker einem legendären Rennfahrer und Draufgänger der 20er und 30er Jahre des letzten Jahrhunderts. 1933 schaffte er die Strecke in einem Kompressor Graham in 53 Stunden und 30 Minuten. Highways gab es noch nicht und viele Strecken waren noch „Natur-(Staub-)Straßen“. 1971 wurde dann das Rennen wiederbelebt. Brock Yates (Autojournalist, Buchautor) und Hal Needham hatten die Idee. Brock gewann das erste Rennen mit

Dan Gurney (Formel 1 Fahrer) in einen Ferrari Daytona in 35 Stunden und 54 Minuten. Im Jahr 1975 unterboten zwei Piloten in ihrem Ferrari Dino den Rekord um 60 Sekunden. Im Jahr 1976 versuchte Brock und sein Team mit einem „umgebauten“ Krankenwagen erneut den Sieg zu erringen. Auch andere hatten sich ähnliche „Verkleidungen“ einfallen lassen. Das Rennen ging für einige schon frühzeitig zu Ende, so auch für Brocks. Vollgas für die US V8s ist wohl nicht auf Dauer gut. Gewonnen hat schließlich ein schwarzer Jaguar von Dave Yarborough und Dave Heinz zwei hartgesottene Rennfahrern aus dem Süden der USA in 32 Stunden und 51 Minuten. Nur lächerliche 8 Minuten später kam ein Mercedes W116 450SEL 6.9 in Ziel. Gesteuert von Tom Hickey einen Dozenten aus Harward, der zum Tanken Kreditkarten benutzt hatte und durch das warten auf die Quittungen den Sieg möglicherweise verspielt hatte.

Diesen Bericht hatte ich gelesen, mir so meine Gedanken gemacht und mich wieder den alltäglichen Problemen im IT (damals noch EDV) Vertrieb beschäftigt.

Der Bericht geriet in Vergessenheit.

Das sollte sich schlagartig ändern als im Februar Heft des Playboy 1981 in der Rubrik „Das Playboy Magazin“ eine kleine Anzeige auf einer der letzten Seiten  (185) erschien. Wie elektrisiert lese ich vom 1. Cannonball Europe. Der Veranstalter ist mit Anschrift und Telefonnummer gelistet. Magisch angezogen wähle ich die Nummer…. „Ja, es gibt noch einige Plätze“ bekomme ich als Antwort auf meine entsprechende Frage. Die Startgebühr beträgt DM 1000 und ich reserviere mir einen Platz durch viel gutes Zureden, denn ich wusste nicht wie ich ein wettbewerbsfähiges Fahrzeug auftreiben sollte. Mein damaliges Fahrzeug war ein BMW 320i, gut genug um damit zügig von München nach Stuttgart in mein Vertriebsgebiet zu kommen, aber für Cannonball nicht geeignet. Der CJ7 Jeep schon gleich gar nicht. Wenn schon, dann wollte ich zumindest gut mithalten können. Woher bekomme ich ein entsprechendes Auto? Diese Frage lies mich nicht mehr los. Der Termin für das Rennen stand fest, es war der 25. bis 30. April 1981

Bericht PB 

Seite 135 im Playboy 4/1980 stand dieser Bericht über “Cannonball-Express” .

Anzeige CB 81 

Playboy Heft 2/82 Seite 185...das wars....der Anfang...ich MUSSTE da mit!! ...aber wie?   ..

Wie sich dann alles genau entwickelt hatte versuche ich nun zu rekonstruieren. Ich war damals bei CDC der ersten „Super-Computer-Company“. Was heute als „Software-as-a-Service“ der „letzte Schrei“ in der IT Branche angepriesen wird, war vor 30 Jahren längst schon da und hieß „CyberNet Services“. Es war die Benutzung von teurer Software nach einem „Pay by Use Model“

 Einer meiner Kunden zu diesem Thema war MERCEDES in Untertürkheim

MERCEDES hatte 1980 neue V8 Motoren (380 und 500) auf den Markt gebracht. Diese bestanden aus einem Alu-Motorblock dessen Zylinderwände durch eine „Ätzung“ leicht „aufgeraut“ wurden um das Öl dort zu halten. Der Nachteil war dass dieses Verfahren in der Serie noch nie vorher erprobt worden war. Das hatte zu Folge dass die Motoren entweder in den ersten ca. 5000km einen „Reiber“ hatten, oder durchhielten. Der 380er Motor brachte es immerhin auf 218PS der 500er hatte 231PS

Im Werk Untertürkheim gab es eine Abteilung „Verfahrensentwicklung“ (VEN) Der Leiter dieser Abteilung Herr Z. hatte eine Assistentin (Rosa O.) und die war der Schlüssel zur Teilnahme. Irgendwie hatte ich in Erfahrung gebracht dass Rosa sich einen schwarzen W107 (SL) als 380er bestellt hatte. Natürlich im Auftrag eines „Abnehmers“ der das Fahrzeug nach 6 Monaten dann von ihr kaufen würde. Mit meinem Charme habe ich es tatsächlich geschafft Sie für eine Teilnahme am Cannonball Europe zu begeistern. Wenige Wochen vor dem Start wurde ihr das Fahrzeug dann tatsächlich ausgeliefert. Bei einem meiner zahlreichen Besuche in Stuttgart durfte ich mich mit dem SL vertraut machen. Es war ein tolles Fahrzeug und die Kombination mit dem cognacfarbenen Leder ließ ihn sehr gediegen wirken. Von Stuttgart aus traten wir dann die Fahrt nach Stovring in Nord-Dänemark an. Stovring ist tatsächlich ziemlich weit im Norden von Dänemark. Im Sommer mögen sich dort die Touristen tummeln doch Ende April war noch gar nichts los. Bis die ca. 100 Fahrzeuge der Teilnehmer dort eintrafen. Spektakuläre Fahrzeuge wie Ferraris oder Lamborghinis waren eher die Ausnahme. In Erinnerung sind mir eher noch MERCEDES, PORSCHE, BMW, OPEL, FORD, VW und einige Exoten wie ein Lotus Super 7 oder ein MORGAN. Ein umgebauter W116 450SE als Pickup war auch mit dabei.

MB Pickup 

Der W116 als 450SE Pickup

Irgendwie hatte es sich herumgesprochen und so versammelten sich bereits am Nachmittag viele Schaulustige um die Autos und Ihre Besitzer zu bewundern. Der Start erfolgte gegen 22:00 im Minutenabstand. Wie auf den Bildern zu sehen gab es leichten Raureif und es war ziemlich frisch. Der SL hatte auf der Fahrt nach Norden gut durchgehalten und die befürchteten Motorprobleme blieben aus. Nun wurde es spannend. Wir hatten uns eine Strategie zu Recht gelegt. Zum einen fuhr ich mit Smokingjacke, Weste und Fliege zum anderen wollten wir in Dänemark ohne Strafzettel durchkommen. Das Bezahlen und der Papierkram kosten Zeit. Darüber hinaus waren wir als Brautpaar unterwegs was mir später den Beinahmen „der Heiratsschwindler“ einbrachte, nach dem durch gesickert war was es mit Rosa mir und dem SL auf sich hatte. An die Startnummer (ausgelost) kann ich mich nicht mehr erinnern, aber dass mein Adrenalinspiegel am Start ganz oben war ist mir noch heute allgegenwärtig.

Org Team 

Das Organisations-Team

Heiratsschwindler 

Der “Heiratsschwindler”.....

Rita und der SL 

Eindrücke vom Start...

Start CB MB 380SL 

....Sekunden vor dem Start!!

Nun ging es endlich los. Autobahnen in Dänemark gab es fast noch keine und so quälten wir uns in verhaltenem Tempo bis zur Grenze nach Flensburg. Unterwegs sahen wir schon den einen oder anderen Teilnehmer bei der Einzahlung in die „Sofortkasse“. Der Grenzübertritt war auch etwas nervenaufreibend, denn wir hatten den Eindruck dass besonders genau kontrolliert wurde. Einmal auf der Deutschen Seite konnten wir endlich Vollgas geben. Über Hamburg, Hannover, Kassel Frankfurt ging es bei Straßburg über die Grenze nach Frankreich. Mit etwas über 5 Stunden für die fast 1000km waren wir gut unterwegs. In Frankreich wurde es dann so langsam hell und wir fuhren zügig Richtung Mittelmeer. An zwei Dinge kann ich mich noch genau erinnern. Der böige Seitenwind ließ die Seitenscheiben aus ihren Gummiführungen an der A-Säule und am oberen Rand des Hardtops immer wieder „rausrutschen“ was den Geräuschpegel bei Geschwindigkeiten jenseits von 200km/h extrem anstiegen lies. Hilfe brachte nur den Fuß vom Gas nehmen, die Scheibe etwas nach unten fahren und dann wieder hoch in die Führung zurückfahren. (elektrische Fensterheber).

Diese Prozedur führten wir unzählige male aus. Bei einem der Tankstops in Frankreich hielt neben uns ein anderer Teilnehmer mit einem „6.9“. Er konnte es nicht fassen dass wir mit unserem 380 SL so gut mithalten konnten. Ernährt haben wir uns von Mars und anderen Müsli-Schokoriegeln sowie Orangensaft. Von Marseile ging es weiter über Narbonne zur spanischen Grenze. Hier unten war das Feld schon weit verstreut und jeder fuhr sein eigenes Rennen gegen die Uhr und die Müdigkeit. Irgendwann nach Alicante wurde es dann wieder dunkel. Die Autobahn war nur bis Alicante einigermaßen fertig gestellt. Ab dort ging es dann über Landstraßen nach Murcia und weiter Richtung Granada. Spätestens ab Murcia wurden noch einmal die letzten Kräfte gebraucht. Wir entschieden uns für die Fahrt über die Berge nach Granada und Malaga. Einige der Teilnehmer nahmen die Küstenstraße….. und bereuten es bitter. Dennoch in der Dunkelheit über die Berge war auch nicht ganz ohne. Bei Motril erreichten wir die Küstenstraße. Nun nur noch etwas über 150km und wir waren am Ziel, dem Atalaya Park Hotel bei Marbella. Nach  ca. 25 Stunden erreichten wir das Ziel. Ich war die ganze Strecke (über 3500 km ) gefahren…. Das alles bedeutete Platz 34….. Gewonnen hat übrigens ein W126 500SE (AMG) aus Hamburg. In etwas über 20 Stunden. Seine Spezialität war neben der Leistung des Motors, 320 PS und Rennfahrwerk, ein großer 90 l Zusatztank der es ihm ermöglicht hat nur einige wenige male zu tanken. Es wurde berichtet dass er simultan über zwei Zapfsäulen getankt hat. Bei ca. 8 Tankstops die wir gebraucht haben sind sicherlich 40-45 Minuten Zeit verstrichen.

Siegerwagen 1981 

Der Siegerwagen ein 500SE AMG

Am  Tag nach dem Rennen war irgendwie die Luft raus, ich fühlte mich ausgebrannt. Es war vorüber und unsere Platzierung war ok aber nicht so wie ich es gehofft hatte. Trotzdem ließen wir natürlich irgendwie„die Kuh fliegen“. Den Rückweg traten Rosa und ich dann getrennt an. Sie mit ihrem SL und ich im Flieger….. Das Abenteuer war zu Ende und bei mir machte sich die „Katerstimmung“ breit. So hatte ich es mir nicht vorgestellt…….

Doch es sollte sich eine Fortsetzung ergeben.....

Bluttransport 

 ...auch eine lustige Verkleidung

Nice to have... 

....der “Trostpreis”  .....

Golf I GTI 

...noch einer aus Waiblingen...ein Golf GTI

Bereits im Sommer 1981 war es beschlossene Sache ein weiteres Rennen 1982 durch zu führen. Details wurden u. a. auf einem lockeren Treffen einiger Teilnehmer am Bodensee besprochen. Eine der lustigsten Einlagen war ein spontanes ¼ mile Rennen zwischen einer Corvette und einem Plymouth Baracuda beide mit getunten Big Block (7l) V8 Motoren. Auf einer öffentlichen Straße die kurzerhand für das Beschleunigungsduell gesperrt wurde

Drag Race 

Ein Drag Race mitten am Tag in Uhldingen am Bodensee...

Bereits im Herbst 1981 begann ich gedanklich mit den Vorbereitungen für das Rennen 1982.

Dieses Mal wollte ich nicht nur ankommen sondern wenn möglich auch ganz vorne mit dabei sein. Voraussetzung dafür war erneut ein geeignetes Fahrzeug. Ein 500SE Mercedes schien in Anlehnung an das Siegerfahrzeug von 1981 das geeignete Gerät….aber woher.

Am 1.1. 1982 hatte ich einen neuen Job und bekam ein Firmenauto (BMW 323i). Damit konnte ich im Frühjahr 1982 meinen 320i zum Preis von DM 6.000 verkaufen. Somit war Geld in der „Kriegskasse“. Damals gab es nur eine Autoverleihfirma die bereits den W126 als 500SE im Angebot hatte. Es war keiner der global player…. Die Anmietung leider mit km Begrenzung war möglich. Die Kalkulation hat gezeigt dass ziemlich genau DM 6000 für die Strecke und eine Woche gebraucht wurden. Somit war das Auto kein Thema mehr. Auch die Idee mit dem Zusatztank vom letzten Jahr schien vielversprechend. Vom Schrottplatz in der Ingolstädter Straße in München besorgte ich mir einen LKW Tank mit ca. 100l. Mit Hilfe einer zusätzlichen Benzinpumpe, die später in meinem CJ7 Verwendung fand, wollte ich über einen modifizierten Tankdeckel während der Fahrt Sprit vom Zusatztank in den eigentlichen Tank umpumpen. Ein anderes Problem wollte ich wie folgt lösen. Noch herrschte der „Kalte Krieg“ zwischen den Blöcken und Störsender waren auf beiden Seiten im Einsatz. Liese sich nicht auch die UKW –Frequenz unterhalb von 88MHz entsprechend in einem gewissen Umkreis um unser Auto stören? Ja, mittels eines geeigneten UKW„Schwarz“-Senders war dies möglich. Nun noch die Tarnung. Natürlich wieder Smoking, Weste und Fliege. Nun fehlte nur noch eine geeignete Rallye – erfahrene Partnerin.

Stutz 

Die Partnerin.....

Vor Jahren als ich noch im Vorstand im Silver Mini Team von Salzburg war gab es Elisabeth S. genannt „Stutz“. Diese hatte die überraschende Eigenschaft bei allen Rallyes die Damenwertung zu gewinnen und zu BMW SCHNITZER in Freilasing hatte sie auch gute Beziehungen. Mit einem Wort sie war schon immer sehr zügig unterwegs, also genau was ich suchte. Tatsächlich sagte Sie ohne lange nach zu denken zu und so stand das Team.

Der Start war diesmal am 27.März. 23:00 Uhr.

Also Stutz kam 26. nach München und wir holten den MERCEDES vom Autoverleih in Neuhausen ab. Im Vorfeld ging schon viel durch die Presse und die übrigen Medien. Viele der Teilnehmer des letzten Jahres tauschten Informationen über diese Medienberichte aus. Ich hatte kein gutes Gefühl und beschloss keinen Zusatztank, keine Störsender zu verwenden / mit zu nehmen. Diesmal war es ganz anders, die Polizei insbesondere in Deutschland und Dänemark war alarmiert. Wie das merkten wir bereits bei der Einreise nach Dänemark. Genauestens wurde unser Fahrzeug untersucht. Die Zulassung im Etui der Verleihfirma besänftigte die „Grenzer“.

500SE 

Das Auto....

Sender 

Der Sender....

Cockpit w126 

...auch dieses Mal ein “Neues auto”

Noch im Hotel in Hirtshals ganz oben ziemlich am nördlichsten Zipfel von Dänemark hatte ich eigentlich keine richtige Lust da mit zu machen. Wir waren darauf vorbereitet in letzter Minute alles ab zu sagen. Alle waren sehr besorgt wegen der Presse und anderer Meldungen in Deutschland vor dem Start. Umgestimmt hat uns dann die Fahrerbesprechung und die Startnummer 3. (Startzeit 23:03). Mit vollen Tank und etwas mulmigen Gefühl rollten wir pünktlich von der „Rampe“. Erneut mit voller Tarnung als vermeintliche Teilnehmer einer Hochzeitsgesellschaft waren Stutz und ich auf der Rückreise dieser fiktiven Hochzeit. In Dänemark zählten wir 16 Radarfallen ohne dass wir belästigt wurden. Dann kam die Grenze. Irgendwie wurde ich an die DDR erinnert. Es war deutlich mehr Präsents an Polizei und Grenzbeamten in dieser Nacht. Die Kontrolle umfasste auch das öffnen des Kofferraums. Erneut half uns u. a. das Etui mit der Zulassung. Danach kam noch an der Grenze eine Überprüfung der Fahrzeugtechnik aller PKW die aus Dänemark einreisten. Der eigentliche „Hammer“ kam am Südufer des Nord-Ostsee-Kanals nach der Autobahnbrücke. Strategisch gut ausgesucht wurde der ganze Verkehr durch quergestellte Straßenwacht LKW über eine Tankstelle ausgeleitet. Auch hier peinlichste Kontrolle der Papiere (Zulassung, Pass, Führerschein). Höflich fragte ich ob ich die Zeit der Überprüfung zum Tanken benutzten durfte. Dies wurde mir gestattet und so konnte ich die Zeit gut nutzen. Links und rechts von uns in der Reihe hatten sie schon einige als Teilnehmer im Verdacht und es gab da schon Probleme. Erneut das Etui und unserer Tarnung auch mit den seriösen Auto wirkten wie erwartet. Mit einem freundlichen Gruß bekamen wir unsere Papiere zurück. Wir waren gewarnt. Den ganzen Weg bis zur Grenze nach Frankreich beachteten wir die Geschwindigkeitsbeschränkungen soweit es sie gab.

Volles Rohr 

....das war unsere Top Speed

Die letzte Kontrolle gab es vor den Rhein Richtung Frankreich. Diesmal wurden wir nicht einmal aufgehalten. Die Tarnung war zu gut. Ab der Grenze nahm Stutz das Steuer und wir bekamen mehr Selbstvertrauen, denn in Frankreich war es ruhig und keine Polizei weit und breit. Wir waren gut unterwegs und unsere Strategie ging scheinbar auf. Ab der spanischen Grenze übernahm ich wieder das Steuer. Wie gut wir lagen fanden wir an einer Tankstelle bei Valencia heraus. Dort trafen wir den späteren Sieger eine Porsche 930 Turbo während wir schon beim Tanken waren. Er hatte einen Zusatztank und über ein Magnetventil sollte sich der Tank in den Haupttank durch die Schwerkraft entleeren. Bei Vollgas konsumiert der Turbo jenseits der 30 Liter pro 100km. Bei einer Geschwindigkeit von 250km/h bedeutet mehr als 1,25 l pro Minute, dafür stellte sich der Querschnitt des Ventils als zu klein heraus…Pech gehabt. Dennoch hat er uns nach dem Tankstop später überholt. Unser kleines Waterloo war zwischen Valencia und Alicante Bei ca. 180 km/h auf der Überholspur zog ein Peugeot 304 auf die linke Spur ohne uns im Rückspiegel zu beachten. Der Erfolg war ein Kratzer von vorne bis hinten auf unserer rechten Seite. Der Türgriff war schuld.

Das Anhalten die Diskussion und der Austausch von Versicherungsinformationen kostete fast eine halbe Stunde (oder am Schluss 4 oder 5 Plätze).

Erneut wurde es Nacht und die Berge um die Sierra Nevada warteten. Wir überholten vor Granada einen 450SE nahmen ihm etwa 3 Minuten ab bis wir noch einmal zur Sicherheit Tanken mussten. (Hinterher stellte sich heraus es hätte auch so gereicht ) Er zog an uns vorbei. Auf der Küstenstraße bis Marbella holte ich Ihn wieder ein und nahm ihm bis zum Ziel noch mal ca. 10 Minuten ab. Am Ende war es eine Minute zu wenig denn er belegte den 7. Platz und wir waren 8.mit einer Minute Rückstand, geworden  Wie weit wir ohne den Kratzer gekommen wäre…..??

Das Ziel das Don Carlos Hotel war wirklich toll. Diesmal war meine Stimmung viel ausgelassener. Ich wusste was wir geleistet hatten und nun war Party Time.

Kratzer 

 

Sieger 

Die Sieger 1982

Stutz und Thomas 

.Stutz und ich ..in Feierlaune!!

Ziel 

....und wir auch im Ziel

Aber auch in diesem Jahr kam aber noch das „dicke“ Ende nach. In der Nacht vor und am Tag der Heinreise regnete es in Strömen. In Malaga kann ein brauner Bach die Straße von den Bergen herunter. Es wer ungefähr 10 cm Wasser auf der Straße. In den Bergen ging der Regen in Schnee über der aber nicht liegen blieb. Der Besatzung eines Seat-Fiat Polizeiautos das uns entgegenkam und hinter uns umdrehte um uns anzuhalten, fuhren wir auf „Empfehlung“ eines Deutschen der in Alicante wohnte und den wir im Hotel mitgenommen hatten, kurzer Hand davon. Das 2. Mal ging dieser Trick nicht mehr. wir hatten im Überholverbot überholt und wurden gestoppt. Unser Mitfahrer übernahm die Verhandlungen. Dank einer „Spende“ für die Hinterbliebenen von Anschlägen der ETA kamen wir mit 1600  Peseten (ca. 10 Euro) davon….  Erst am späten Nachmittag hatten wir es bis Alicante geschafft.

Wasser in Malaga 

die Haupstraße in Malaga...

Am nächsten Vormittag war die Rückgabe des Autos in München vereinbart. Stutz übernahm das Steuer und es regnete immer noch extrem stark. Sie hatte schon nach wenigen Kilometern ein Problem mit den Augen. Sie konnte in dieser Nacht nicht fahren. Also übernahm ich wieder das Steuer. Von meinem Arzt hatte ich „Aufputschmittel“ bekommen die waren nun fällig. Mit etwas „Dope“ im Blut ging es Richtung Frankreich und bei Genf über die Grenze in die Schweiz. Der letzte Tag dämmerte herauf. Bei Fribourg übernahm Stutz das Steuer es war nun hell und es regnete nicht mehr. An der Grenze in Konstanz wechselten wir nochmals und so ging es zurück nach München. Der MERCEDES war ganz schön mitgenommen. Zum einen der Kratzer dann der braune Dreck aus Malaga und zu letzt noch das Automatikgetriebe. Durch die vielen Kick-Downs schaltete es nicht mehr sauber. Die Waschanlage war gut gegen den Dreck aber den Kratzer mussten wir berichten, wozu hatten wir Vollkasko abgeschlossen.

 Wir waren laut Abrechnung genau 7464 km gefahren und der Tacho stand bei 9078km. Der Preis auf der Rechnung betrug genau DM 6.417,45. Die Presse berichtete das Rennen wäre „gesprengt“ worden, wir wussten es besser….

Hier die beiden Beiträge

Wasser II 

...und noch mehr Wasser...

Ein weiteres Cannonball Europe gab es nicht mehr für mich.

Für mich waren beide Veranstaltungen das erste Zusammentreffen mit dem MERCEDES Typ W126. Dieser Typ sollte mich die nächsten 30 Jahre begleiten. Zu guter letzt bin ich dann noch einen 300SEL über 270.000km gefahren.

Aber das wird vielleicht eine der nächsten Geschichten…

Rain and Snow 

Rain and Snow....

Nachsatz: Ich habe in der Zwischenzeit mit dem Veranstalter gesprochen. Die Telefonnummer ist immer noch die gleiche. Es gab noch 3 weitere Cannonball Europe Events der letzte noch mit 26 Teilnehmern, dann war Schluss. Alle seine Bilder und Unterlagen haben die Behörden konfisziert; er hat Sie nie wieder bekommen, so dass dies einige wenige Bilder sind die „überlebt“ haben. Wir beide sind der Meinung dass wir unverschämt viel Glück gehabt haben dass nie etwas passiert ist und sich das Ganze überlebt hat.

 Es gibt keine „Neuauflage“ und damit ist dieses Kapitel auch abgeschlossen!