Der  W126 

die Geschichte einer wahren 40 jährigen „Liebe“

 

Dies ist eine interessante Geschichte darüber wie der W126 und ich in den letzten 40 Jahren immer wieder zusammengetroffen sind. Begonnen hat alles mit einem Erlkönig Foto im Jahr 1978. Damals war ich jede Woche in Stuttgart und Umgebung unterwegs. Eines Abends auf der Fahrt nach Zuffenhausen ist mir eine Reihe von Fotos eines W126 Erlkönigs gelungen. Etwas unscharf aber doch erkennbar.

W126 Erlkoenig 

Erlkönig von 1978

W126 Erlkoenig II 

Erlköning

Das nächste Mal war 1981 als ich das 1. Cannonball Rennen gefahren bin. Ein AMG 500SE hatte gewonnen und stand auf der Bühne zur Siegesfeier. Ein Jahr später 1982 saß ich dann zunächst als Passagier auf dem Rücksitz eines 500SE als mich der Käufer meines 320i zurück nach München fuhr. Die lange Motorhaube ist mir heute noch im Gedächtnis.

Wenige Wochen später saß ich selbst am Steuer eine 500SE und fuhr das 2. Cannonball Rennen mit. Spätestens damals nach dem Rennen war ich überzeugt von der Leistung und der Qualität des Typs. Obwohl das Automatikgetriebe keinen Kickdown mehr mochte und auch sonst schon ziemlich „fertig“ erschien, brachte uns der 500er sicher zurück nach München.

W126 Hochzeit 

Hochzeitauto 500SE

Drei Jahre später am 7. Juni 1985 stellte mir HERTZ einen blauen 500er anlässlich meiner Hochzeit zur Verfügung. Mit dem holte ich unsere schwedischen Gäste am Flughafen ab und fuhr mit Ihnen nach Hochburg Ach.

Ende der 80er Jahre, Mercedes in Sindelfingen war mein Kunde, ging es dann auch ans Produktionsband im Werk. Beeindruckt hat mich insbesondere der Kabelbaum. Ein schier endloses Bündel aus Kabeln und Steckern. Durch die komplexen Arbeitsschritte war damals von einer „Bandfertigung“ keine Rede. Die Karossen fuhren ab einem gewissen Zeitpunkt auf selbstfahrenden Paletten durch die Gegend und von Station zu Station.

Selbst ein gepanzerter W126 konnte nicht verhindern, dass Alfred Herrhausen am 30. Nov. 1989 von der RAF darin in die Luft gesprengt wurde und starb.

In etwa zur gleiche Zeit (Jahr) auf dem legendären Zwiebelfest in Esslingen war einmal der Platz im 500SE von Eberhard H. zu knapp um uns alle zur Fortsetzung der Party in sein Haus in Esslingen zu bringen. Also stieg ich kurzerhand in den Kofferraum. Ohne Platzprobleme, das Ding ist riesig!

1992 als bereits der Nachfolger der W140 vom Band lief waren wir mit einer Reihe von MB Managern im Herbst in der Toskana zu Weinproben und kulturellen Besichtigungen an Plätzen wo „gewöhnlich sterbliche“ nicht hinkamen. Manfred B. fuhr damals noch einen 560SEL mit Bordcomputer. Einen der letzten dieser Art.  Ich selbst hatte damals bereits einen der ersten W140 (S500) als Firmenwagen. Er war noch nicht bei Vollgas gedrosselt und ging wie die Pest, in der Zulassung war das höchst zulässige Gesamtgewicht noch manuell nachtäglich korrigiert. (Man erinnert sich vielleicht noch an den Skandal….).

Für die nächsten 10 Jahre verschwand der W126 dann von meinem Radarschirm um 2002 plötzlich wieder auf zu tauchen. In diesem Jahr machte ich endlich das was mir ein befreundeter „Head Hunter“ Dr. Bruno W. schon länger geraten hatte…. Ich machte mich selbstständig. Mein E430 (W210) ging zurück an die Leasing und ich brauchte ein Auto. Geld spielte eine Rolle! Ich erinnerte mich an meine „große Liebe“ den W126. Es sollte aber kein V8 Motor sein… Spritverbrauch! Also blieben nur der 260SE oder der 300SE/L. Über Mobile.DE fand ich einen Händler in Passau der Leasingfahrzeuge aufkaufte und auch einen blauen 300SEL mit manueller Schaltung im Portfolio hatte. Im Gespräch stelle sich heraus, dass er ein Paket von Leasingfahrzeugen nur dann bekommen hatte, wenn er auch den W126 mitnahm. Er war sichtlich erleichtert dass das Fahrzeug nicht nach Osteuropa ging, denn er „gönnte“ es diesen Personen nicht. Wir wurden uns rasch einig und für Euro 4.000,- ging der 300SEL Baujahr Sept. 1989 in meinen Besitz über, km Stand 165.000. Ich war erst der 2. Besitzer. Das Auto begleitete mich für die nächsten 7 Jahre. Sein Nachfolger als Firmenwagen wurde ein W220 S320L Baujahr Juli 2001. Mit über 430.000km ging der W126 in Rente und damit in meine Sammlung.

Front 

W126 300SEL

Back 

W126 300SEL

Hier eine (unvollständige) Sammlung diverser Episoden:

Im Jahr 2002 verbrachten wir einen traumhaften Sommerurlaub in Finnland. Mit vollem Kofferraum, Kanu und Zarges Box auf dem Dach ging es mit meinem Frau und Sohn und später nachkommend seinem besten Freund, nach Norden und mit der Fähre von Rostock nach Hanko. Wir hatten für drei Wochen ein Sommerhaus direkt am Pula See gemietet. Gut erholt und entspannt waren wir Mitte August auf den Rückweg. Die Überschwemmungen dieses Jahres waren an der Elbe noch deutlich zu sehen denn das Wasser stand am Rand der Fahrbahn bei Dessau. Kurz danach meine Ansage an die Mitreisenden… „Houston we have a problem!“. Was war passiert? Ich hatte keine Kupplung mehr und es waren noch ca. 400km bis nach Hause. Der Tank war voll genug. Ok, der Motor ist ziemlich elastisch, aber ein Stau und/oder die Berge des Thüringer Waldes oder der Fränkischen Schweiz erfordern vielleicht doch einen Schaltvorgang. Manuell zog ich das Pedal zurück, und lies das vollbeladene Auto im 5. Gang rollen. Kurz vor dem Nürnberger Kreuz dann doch etwas zähflüssiger Verkehr, ich musste schalten. Oh Wunder es ging wieder! Was war der Grund? Vermutlich ist aus dem Behälter der die Bremse und die Kupplung  mit Hydraulik Flüssigkeit versorgt bei auf und ab in den Bergen wieder Flüssigkeit in den Vorratsabschnitt der Kupplung geschwappt und durch die geringen Mengen nach und nach gab es auch keine Luftblasen. Wir kamen gut und sicher nach Hause. Später fand sich ein minimales Leck in der Leitung, das war die Ursache

Voll beladen 

Voll beladen in Rostock an der Fähre

Das war drin 

...so viel geht rein!!!

W126 am See in FIN 

Am Pula See in Finnland

Auf einer Geschäftsreise nach Waldkirch im Südschwarzwald fing es in dem Meeting am Nachmittag stark zu schneien an. Am Ende lagen in Rheintal schon etliche cm Schnee. Wir beschlossen nicht über die Alb nach Augsburg zurück zu fahren sondern über die A6 und Crailsheim. Natürlich war auch dort schon Schnee Chaos. Irgendwann bei Bobfingen überholte ich dann noch einen Schneepflug. Vollbesetzt mit 4 Personen neuen Winterreifen  ABS und ASD bei dem Radstand geht so was. Wir kamen gut und sicher nach Hause.

Auf einer der Fahrten nach Amaro im Friaul wurde mein Motor wärmer als sonst, je nach Geschwindigkeit. Zu Hause angekommen begab ich mich auf Ursachenforschung. Natürlich hatte ich genug Kühlerwasser und auch nirgends ein Leck. Also spülte ich den Kühler durch. Der Erfolg stelle sich nicht ein. Den Kühler ausbauen in kalten Zustand ist ein Kinderspiel dank der schwäbischen Ingenieurskunst. Also raus mit dem Ding. Und separat gespült. Es kam nur noch wenig raus, so dass dies auch nicht die Ursache sein konnte. Was dann? Bei Betrachtung gegen die Sonne war der Kühler „dicht“! Na nu warum denn das? Fliegen, nein. Staub oder Grassamen nein… Es war die Lackierung an den Lamellen die nach der langen Zeit aufgeplatzt und sich quer zum Fahrtwind aufgestellt hatte. Ab-kärchern fürs erste brachte sofort Erfolg. Ein neuer Kühler dann auch langfristig. Ich kam gut und sicher nach Hause.

Eine der letzten Fahrten nach Amaro trat ich mit gemischten Gefühlen an. Die Wasserpumpe hatte schon erhebliches Spiel ca. 1mm und ich verlor auch Wasser. Die neue Pumpe konnte jedoch nicht vor der Fahrt eingebaut werden. Der Kommentar vom Experten Ünal T. „die hält durch, das ist Mercedes!“ Ich hatte Reserve Wasser im Kofferraum und beobachtete die Temperaturanzeige mit Adleraugen. Tatsächlich brauchte ich nicht nach zu schütten und kam gut und sicher wieder nach Hause.

Wenn einem allerdings die Antriebswelle hinten rechts abbricht, dann ist leider Schicht im Schacht. So geschehen bei der Abfahrt von der Autobahn bei Marktl kurz vor dem Kreisverkehr mit der B20 Richtung Burghausen.  Das war wohl das einzige Mal wo ich mit dem „gelben Wagen“ fuhr.

Sonst keine Pannen, aber jede Menge Teile:

Verteiler, Zündkabel Bermuda Dreieck Dichtung, Steuerkette, Ventilsitzdichtung, Lichtmaschine, Umlenkrollen, Klimakompressor, Hydraulikpumpe, Druckspeicher HA, Überspannung Schutz Relais, Kotflügen und Türen wg. Rost, Federn, Teile der Radaufhängung, Lager im Getriebe und im Hinterachsdifferential Duo Heizungsventil, Windschutzscheibe (Steinschlag), diverse Schalter etc… aber KEINE Zylinderkopfdichtung!! Der Spritverbrauch hält sich in Grenzen ..mit ca. 10l/100km. Mit dem gut gewarteten W126 kam ich immer gut uns sicher nach Hause.

Bermudadreieck 

Auch eine Schwachstelle “Bermunddreieck”

Das Gegenstück dazu war ein 300SEL in weiß von einen ehemaligen Bundesinnenminister der jahrelang in der Toskana stationiert war. Über Kontakte wurde das Fahrzeug mir angeboten. Die Ausstattung war gut, aber es gab erhebliche Mängel. Neben vielen Roststellen waren die Zylinderkopfdichtung, das Automatikgetriebe und die Hinterachse defekt. Meine Antwort: „Nein Danke!

IM Bund 

Das  Fahrzeug das ich nicht kaufte....

Gammel 

...vergammelt

Zusammenfassung: Der W126 ist eines der sichersten und zuverlässigsten Fahrzeuge. In der gestreckten langen Form ist er immer noch sehr schön anzusehen, Bruno Sakko sei Dank!